ASOG im Detail I | Flächendeckende Überwachung

*** english version below ***

Im Namen der Sicherheit werden im Berliner ASOG immer mehr Befugnisse geschaffen, die Polizei und Sicherheitsbehörden eine nahezu lückenlose Überwachung des öffentlichen Raums ermöglichen.

“Messer- und Waffenverbotszonen”: In diesen Zonen darf die Polizei Personen kurzzeitig anhalten, befragen, mitgeführte Sachen in Augenschein nehmen und Personen durchsuchen. Die Zonen müssen durch Beschilderung gekennzeichnet sein. Für eine Kontrolle ist kein konkreter Verdacht und kein besonderer Anlass erforderlich.

Aktuell sind drei Gebiete um den Görlitzer Park, das Kottbusser Tor und den Leopoldplatz als Waffen- und Messerverbotszonen ausgewiesen, außerdem seit neuestem der gesamte Öffentliche (Nah)verkehr Berlins, einschließlich aller Schienenverkehrsmittel des Verkehrsverbundes Brandenburg im Berliner Stadtgebiet sowie aller Bahnhöfe.

„Messer- und Waffenverbotszone“ Leopoldplatz

Kottbusser Tor

„Messer- und Waffenverbotszone“ Kottbusser Tor

„Messer- und Waffenverbotszone“ Görlitzer Park

Kriminalitätsbelastete Orte (KbO): An diesen Orten kann die Polizei eine verhaltensabhängige Identitätsfeststellung durchführen, Personen durchsuchen und mitgeführte Gegenstände kontrollieren. Auch hier ist für Maßnahmen kein konkreter Verdacht oder besonderer Anlass erforderlich.

Die neuen Pläne sehen zusätzlich vor, an diesen Orten eine 24-Stunden-Live-Videoüberwachung einzurichten, deren Aufnahmen durch KI-gestützte Software ausgewertet werden sollen, um “auffälliges” Verhalten zu identifizieren. In Berlin gibt es derzeit sieben KbOs, deren genaue Grenzen nicht veröffentlicht werden, sodass auch in angrenzenden und dazwischenliegenden Bereichen jederzeit mit Kontrollen gerechnet werden muss:

  • Alexanderplatz
  • Görlitzer Park/Wrangelkiez
  • Hermannplatz/Donaukiez
  • Hermannstraße/Bahnhof Neukölln
  • Kottbusser Tor
  • Rigaer Straße
  • Warschauer Brücke

Gefährdete Objekte: In Berlin sind rund 700 gefährdete Objekte durch die Gefährdungseinschätzung des Staatsschutzes definiert. Hier sollen die Befugnisse zur Anfertigung und automatisierten Auswertung von Bild- und Tonaufzeichnungen auf Innenräume, zugehörige Parkplätze und sonstige Außenflächen ausgeweitet werden.

Die konkreten Objekte werden nicht öffentlich benannt. Dazu gehören unter anderem

  • diplomatische Einrichtungen wie Botschaften und Residenzen
  • jüdische Einrichtungen wie Synagogen, Schulen und Kindergärten sowie
  • Einrichtungen des Bundes und des Landes Berlin.

Öffentliche (Groß)veranstaltungen und Ansammlungen, die nicht dem Versammlungsfreiheitsgesetz unterliegen: Dazu zählen Veranstaltungen aller Art, etwa Straßenfeste, Märkte oder Sportereignisse. Auch hier sollen künftig personenbezogene Daten von Teilnehmenden durch Bild- und Tonaufzeichnungen erhoben und verarbeitet werden.

Dabei sollen außerdem Daten genutzt werden können, die von Veranstalter*innen selbst erhoben werden.

Auf Demonstrationen und Kundgebungen sollen in Zukunft zudem Bild- und Tonaufnahmen auch mithilfe von Drohnen erstellt werden.

Aufzeichnungen der Dash- und Bodycams (von Einsatzkräften der Polizei, der Feuerwehr, des Rettungsdienstes sowie im Außendienst tätigen Beschäftigten der bezirklichen Ordnungsämter an Uniformen und Fahrzeugen): Ihre Nutzung soll nun allgemein zur “Gefahrenabwehr” zulässig sein. Auch bei Einsätzen in Privatwohnungen soll unter bestimmten Voraussetzungen gefilmt werden dürfen.

Zusammengenommen würde so die Grundlage für eine flächenmäßig nahezu umfassende Überwachung in Berlin geschaffen.

ASOG in detail I – Comprehensive surveillance

In the name of security, Berlin’s ASOG is granting the police and security authorities more and more powers, enabling them to conduct almost complete surveillance of public spaces.

“Knife and weapon prohibition zones”: In these zones, the police are allowed to briefly stop and question individuals, inspect their belongings, and search them. The zones must be marked with signs. No concrete suspicion or special reason is required for a check.

Currently, three areas around Görlitzer Park, Kottbusser Tor, and Leopoldplatz are designated as weapon and knife-free zones, and most recently, the entire public (local) transport system in Berlin, including all rail transport operated by the Brandenburg Transport Association in the Berlin city area and all train stations, has been added to this list.

Crime-prone locations (KbO): At these locations, the police can carry out behavior-based identity checks, search individuals, and inspect items they are carrying. Here, too, no concrete suspicion or specific reason is required for such measures to be taken.

The new plans also provide for the installation of 24-hour live video surveillance at these locations, with recordings to be evaluated by AI-supported software in order to identify “suspicious” behavior. There are currently seven KbOs in Berlin, the exact boundaries of which are not published, meaning that checks must be expected at any time in adjacent and intermediate areas:

  • Alexanderplatz
  • Görlitzer Park/Wrangelkiez
  • Hermannplatz/Donaukiez
  • Hermannstraße/Bahnhof Neukölln
  • Kottbusser Tor
  • Rigaer Straße
  • Warschauer Brücke

Endangered objects: In Berlin, around 700 endangered objects are defined by the state security service’s risk assessment. Here, the powers to make and automatically evaluate image and sound recordings are to be extended to indoor areas, associated parking lots, and other outdoor areas.

The specific objects are not publicly named. These include, among others

  • diplomatische Einrichtungen wie Botschaften und Residenzen
  • jüdische Einrichtungen wie Synagogen, Schulen und Kindergärten sowie
  • Einrichtungen des Bundes und des Landes Berlin.

Public (large) events and gatherings that are not subject to the Freedom of Assembly Act: These include events of all kinds, such as street festivals, markets, or sporting events. Here, too, personal data of participants is to be collected and processed in the future through image and sound recordings.

In addition, data collected by the organizers themselves is to be used for this purpose.

In future, image and sound recordings will also be made at demonstrations and rallies with the aid of drones.

Recordings from dash and body cameras (worn by police, fire department, and rescue service personnel, as well as by field staff of the district public order offices on uniforms and vehicles): Their use will now be generally permitted for “hazard prevention.” Under certain conditions, filming will also be permitted during operations in private homes.

Taken together, this would create the basis for almost comprehensive surveillance across Berlin.

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